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Was ist der Pflegegrad 3?

 

Ab 01.01.2017 werden Antragsteller auf Pflegeleistungen nach dem „Neuen Begutachtungsassessment (NBA)“ begutachtet. Dabei untersuchen Gutachter des Medizinischen Dienstes die Antragsteller in sechs Bereichen auf den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit.

Die Bereiche sind Mobilität, Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

 

Die Begutachtung erfolgt dabei auf Basis eines Punktesystems. Ermittelt der Gutachter zwischen 47,5 und unter 70 Punkte, so erhält der Antragsteller Pflegegrad 3 und den Anspruch auf entsprechende Pflegeleistungen. Der Pflegegrad 3 attestiert eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

 

Gleichzeitig werden Versicherte, die zum 31.12.2016 bereits die anerkannte Pflegestufe 2 haben, sowie Menschen mit Demenz und Pflegestufe 1 automatisch in den neuen Pflegegrad 3 überführt. Dabei müssen sie sich um nichts kümmern: Die zuständige Pflegekasse wandelt zum Jahreswechsel 2016/2017 die Pflegestufen automatisch in die entsprechenden Pflegegrade um, der Pflegebedürftige profitiert dabei vom sog. Bestandschutz. Das heißt: Er bekommt mindestens die gleichen Leistungen wie bisher und kann durch die Umstellung nicht schlechter gestellt werden.

 

Leistungen bei Pflegegrad 3

 

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf Pflegeleistungen.

 

Ein monatliches Pflegegeld von 545 € erhalten Menschen mit oder ohne Demenz mit Pflegegrad 3 ab 2017 bei häuslicher Pflege durch Angehörige.

 

Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 3 stehen ab 2017 Pflegesachleistungen von monatlich 1298 € zu, die ambulante Pflegedienste direkt mit den Pflegekassen abrechnen.

 

Wenn Pflegebedürftige nicht nur durch Angehörige sondern auch durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt werden, ist auch die sog. Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen möglich. Dabei erhalten Versicherte das Pflegegeld jedoch nicht mehr in vollem Umfang, sondern nur noch „anteiliges Pflegegeld“. Dabei gilt folgender Grundsatz: Der Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der nicht ausgeschöpften Sachleistungen.

 

Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 3

 

Pflegeversicherte mit anerkanntem Pflegegrad 3 haben Anspruch auf den neuen vereinheitlichten „Entlastungsbeitrag“ von monatlich 125 € für Betreuungs- und Entlastungsleistungen ihrer Pflegekasse. Damit können sie zum Beispiel:

     -     an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige teilnehmen, die sie geistig und körperlich aktiviert,

     -     einen Alltagsbegleiter z. B. für Gespräche oder Spaziergänge oder eine Einkaufshilfe bezahlen,

     -     oder Haushaltshilfen engagieren, die ihnen etwa beim Putzen der Wohnung helfen oder beschwerliche Hausarbeiten
           wie die Gardinenwäsche übernehmen.

 

Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 3

 

Benötigt ein Pflege- und Hilfsbedürftiger mit Pflegegrad 3 etwa nach einem Krankenhausaufenthalt noch professionelle Kurzzeitpflege z. B. in einem Pflegeheim, erhält er von seiner Pflegekasse für bis zu 28 Tage im Jahr maximal 1.612 € einen Zuschuss.

 

Dabei gilt es Folgendes zu beachten:

Wer im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von pflegenden Angehörigen nutzt, kann für seine Kurzzeitpflege sogar bis zu 3.224 € Zuschuss für bis zu acht Wochen im Jahr beanspruchen.

 

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten während der bis zu achtwöchigen Kurzzeitpflege noch die Hälfte ihres Pflegegeldes von monatlich 545 € bei häuslicher Pflege durch Angehörige weiter, sprich monatlich 272,50 €.

 

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3

 

Für Verhinderungspflege bzw. Urlaubspflege durch professionelle Pflegekräfte bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen gewähren Pflegekassen Versicherten mit Pflegegrad 3 einen Zuschuss von 1.612 € für höchstens vier Wochen (28 Tage) im Jahr.

Dabei gelten folgende Bestimmungen:

 

Während der Verhinderungspflege erhalten Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 immerhin noch die Hälfte ihres monatlichen Pflegegeldes von 545 € für bis zu sechs Wochen im Jahr weiter, also 272,50 € im Monat.

 

Wer im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege nutzt, der hat Anspruch für bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege pro Jahr, die mit bis zu 2.418 € pro Jahr bezuschusst wird.

 

Tagespflege bei Pflegegrad 3

 

Die Leistungssätze für Tagespflege und Nachtpflege entsprechen auch ab 2017 den ambulanten Sachleistungen, bleiben weitgehend unverändert und fließen wie im Vorjahr zusätzlich zum genehmigten Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten demnach für Tagespflege und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistungen monatlich 1298 €.

 

Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 3

 

Zusätzlich haben Versicherte mit Pflegegrad 3 Anspruch auf folgende Leistungen, sofern sie zuhause versorgt werden:

 

  -        Zuschuss für Wohnraumanpassung: Für die altersgerechte Wohnraumanpassung wie z. B. den Einbau eines Treppenlifts 
           oder den Umbau von der Wanne zur Dusche können Hilfsbedürftige mit Pflegegrad 3 einen Zuschuss von bis zu 4.000 €
           ihrer Pflegekasse beanspruchen. Dieser Zuschuss steht Pflegebedürftigen einmalig für alle Maßnahmen der
           Barrierereduzierung zu. Sollte sich der Hilfebedarf einmal ändern, so kann der Zuschuss u. U. erneut gewährt werden.

  -        Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel: Menschen mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf medizinische Hilfsmittel und
           Pflegehilfsmittel. So erhalten sie

  • Zuschüsse für Anschluss und Betrieb eines Hausnotrufsystems, ein sog. technisches Pflegehilfsmittel (monatlich 18,36 € und zusätzlich einmalig 10,49 €),
  • die Pauschalförderung von zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln von monatlich 40 €
  • medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel, die im jeweiligen Hilfsmittelverzeichnis & Hilfsmittelkatalog der Krankenversicherung gelistet sind.

  -        Kostenlose Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

  -        Kostenlose Beratung und Beratungsbesuche: Versicherte mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf die Beratung z. B. für die
           bessere pflegerische Versorgung oder zum altersgerechten Wohnraumumbau. Auch die notwendigen regelmäßigen
           Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte bezahlt die Pflegekasse.

  -        Bis zu 4.000 € Förderung für die altersgerechte Wohnraumanpassung bekommen maximal vier Versicherte mit Pflegegrad 3 auch,
           wenn sie in eine ambulant betreute Wohngruppe oder eine Senioren-Wohngemeinschaft (WG) einziehen. Zusätzlich stehen
           höchstens vier Bewohnern ein einmaliger Gründungszuschuss von jeweils 2.500 € sowie ein monatlicher Zuschuss zur
           Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 € zu.

 

Ab 2017 müssen Pflegebedürftige keine gesonderten Anträge auf medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel mehr stellen, wie bis 31.12.2016 notwendig. Sobald Gutachter des MDK einzelne Hilfsmittel empfehlen, gelten sie automatisch als beantragt. So steht es sinngemäß in den neuen Begutachtungsrichtlinien des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

 

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